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KI Schreibstil beibringen: Prompts, die nach dir klingen

KI Schreibstil beibringen: Mit Textproben, Stilblatt und Rohmaterial baust du Prompts, die nach dir klingen. Zwei Vorlagen zum Kopieren.

Albert Schulz

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Drei Adjektive reichen nicht. Wer einer KI Schreibstil beibringen will, zeigt ihr eigene Texte, statt „schreib locker und klar“ zu tippen. Dazu kommen ein kurzes Stilblatt mit Regeln und dein Rohmaterial für genau diesen Text. Das ist der ganze Trick.
Perfekt wird es trotzdem nicht. In einer Studie mit über 400 Autoren traf die KI den Stil von Blogtexten deutlich schlechter als den von Nachrichten. Damit kannst du arbeiten, wenn du es vorher weißt. Unten findest du den Ablauf, mit zwei Prompts zum Kopieren.

Warum reicht „schreib locker und klar“ nicht?

Weil jeder darunter etwas anderes versteht. Die KI liefert dann das, was im Schnitt als locker gilt. Also den Ton, den alle anderen auch bekommen.
Zwei Forscher haben das 2025 an fünf Sprachmodellen gemessen. Variante eins: Die KI bekam nur eine Beschreibung des Autors, mit Satzbau, Zeichensetzung und häufigen Wortpaaren. Variante zwei: die zwei längsten Absätze des Autors als Vorlage. Ergebnis? Mit Beschreibung lag die Stiltreue bei 3 bis 7 Prozent, mit den zwei Absätzen bei 91 bis 100 Prozent.
// studieBeschreiben oder zeigen

Beschreiben

  • Satzbau, Zeichensetzung und häufige Wortpaare als Text
  • Stiltreue 3 bis 7 Prozent

Zeigen

  • Die zwei längsten Absätze als Vorlage
  • Stiltreue 91 bis 100 Prozent

Jemama und Kumar (2025), fünf Sprachmodelle, englische Essays.

Der Haken: Das waren englische Essays, kein deutscher Newsletter. Die Richtung ist trotzdem eindeutig. Zeigen schlägt Beschreiben.
Ein Schreibstil-Prompt ist eine Anweisung, die der KI zeigt, wie du schreibst, statt es nur zu behaupten. Er besteht aus drei bis fünf echten Textproben, einem kurzen Stilblatt mit prüfbaren Regeln und deinem Rohmaterial zum Thema. Die Proben geben den Klang vor, die Regeln die Grenzen, das Rohmaterial den Inhalt.

Wie gut trifft die KI deinen Stil überhaupt?

Bei formellen Texten gut. Bei Blogtexten mäßig. Das zeigt die Studie „Catch Me If You Can? Not Yet“ von der Konferenz EMNLP 2025, mit über 40.000 erzeugten Texten pro Modell. Die KI bekam jeweils fünf Textproben. Danach sollte eine Prüfsoftware den echten Autor unter ihren fünf wahrscheinlichsten Kandidaten finden.
Bei GPT-4o klappte das so oft:
  • Nachrichtenartikel: 86,6 Prozent
  • E-Mails: 59,7 Prozent
  • Blogtexte: 39,4 Prozent
  • Reddit-Beiträge: 27,1 Prozent
// studieWie oft die Software den echten Autor fand
  • Nachrichten86,6 %
  • E-Mails59,7 %
  • Blogtexte39,4 %
  • Reddit27,1 %

Quelle: Wang et al., Findings of EMNLP 2025

GPT-4o mit fünf Textproben, echter Autor unter den fünf wahrscheinlichsten Kandidaten. Englische Texte.

Je persönlicher der Text, desto schlechter das Ergebnis. Dumm für uns, denn genau dort lebt deine Stimme. Die gute Nachricht steckt im Vergleich: Ohne Textproben lag der Blog-Wert bei 17,2 Prozent. Die Proben haben ihn also mehr als verdoppelt.
Modelle von 2025, englische Daten. Neuere Modelle können besser sein, das hab ich nicht gemessen. Eine Zahl für deutsche Texte hab ich auch nicht. Rechne aber nicht damit, dass ein Prompt dir das Überarbeiten erspart.

Welche Texte gibst du der KI als Vorlage?

Drei bis fünf Texte, selbst geschrieben, aus derselben Textsorte wie dein Ziel. Anthropic empfiehlt für Claude generell drei bis fünf Beispiele. Die Studie von oben fand zwischen zwei und zehn Proben kaum Unterschiede. Mehr Material ist also nicht der Hebel, besseres schon (meine Lesart).
Darauf kommt es bei der Auswahl an:
  • Selbst geschrieben, ohne KI-Hilfe. Sonst lernt die KI von sich selbst.
  • Dieselbe Textsorte. Für den Newsletter nimmst du Newsletter, nicht deine Website.
  • Verschiedene Themen. Sonst hält sie dein Thema für deinen Stil.
  • Ungeschliffen. Eine Antwort an einen Kunden verrät mehr als die Über-mich-Seite.
Ausgedachtes Beispiel: Ein Organisationsberater will Newsletter schreiben lassen. Er nimmt drei alte Ausgaben plus das Transkript einer Sprachnotiz, in der er einem Kollegen ein Projekt erklärt. Die Sprachnotiz ist oft das beste Stück. Da poliert niemand.
Echte Kundenmails nimmst du nur anonymisiert. Was in welches Konto darf, steht im Artikel zu Datenschutz und KI.

Wie baust du dir ein Stilblatt?

Lass die KI deine Proben analysieren und korrigier das Ergebnis von Hand. Ein Stilblatt ist eine halbe Seite Regeln, die du beim Lesen prüfen kannst. „Freundlich und kompetent“ fällt damit raus. „Ich steige mit einer Behauptung ein“ bleibt.
// ablaufVon deinen Texten zum Stilblatt
  1. Proben wählen

    Drei bis fünf eigene Texte aus einer Textsorte.

  2. Analysieren lassen

    Höchstens zehn Regeln, jede mit Beleg aus deinen Texten.

  3. Von Hand korrigieren

    Streich jede Regel, deren Beleg nicht passt.

  4. Testen

    Schreib einen echten Text. Jede Änderung, die zweimal vorkommt, wird eine Regel.

Der erste Prompt, zum Kopieren:
Hier sind vier meiner Texte. Beschreibe meinen Schreibstil als Stilblatt mit höchstens zehn Regeln: typische Satzlänge, wie ich Absätze beginne, wie ich Leser anspreche, Wörter, die ich oft nutze, Wörter, die nie vorkommen, wie ich Meinungen formuliere. Zitiere zu jeder Regel eine Stelle aus meinen Texten. Lass weg, was du nicht belegen kannst.
Der letzte Satz ist der wichtigste. Ohne Beleg kann dir die KI alles Mögliche andichten. Schmeichelhaft, aber falsch. Mit Beleg siehst du sofort, was Quatsch ist.
Formulier die Regeln dann als Handlung, mit Grund. Das rät auch Anthropic: Sag, was die KI tun soll. Und erklär ihr den Grund. Statt „keine langen Sätze“ also „Schreib kurze Sätze, meine Leser lesen am Handy“. Eine kurze Liste mit Wörtern, die nie vorkommen, darf trotzdem bleiben.

Wie sieht der Prompt aus, der nach dir klingt?

Er hat fünf Teile: Aufgabe mit Leser, dein Rohmaterial, das Stilblatt, die Textproben und ein Prüfauftrag. Die meisten Prompts bestehen nur aus dem ersten Teil. Darum klingen sie alle gleich.
Der zweite Prompt, zum Kopieren:
Schreib einen Newsletter für [deine Leser] zum Thema [Thema]. Ziel: [was der Leser danach tut oder denkt]. Nutze nur dieses Rohmaterial: [Stichpunkte oder Sprachnotiz]. Halte dich an mein Stilblatt: [Stilblatt]. So klinge ich: [zwei bis drei Textproben]. Übernimm aus den Proben den Klang, nicht den Inhalt. Fehlt dir etwas, frag nach und erfinde nichts. Markiere am Ende die drei Sätze, die am wenigsten nach mir klingen.
Die letzte Zeile spart Zeit. Du liest gezielt dort, wo es hakt. Trenn Proben und Anweisungen sauber voneinander, sonst liest die KI deine Textprobe als Auftrag. Die Claude-Doku rät dazu zu Tags wie <example>. Klare Überschriften tun es auch, schätze ich.
Ausgedachtes Beispiel: Eine Texterin gibt als Rohmaterial fünf Stichpunkte aus einem Kundengespräch und ihre Meinung dazu in zwei Sätzen. Der Entwurf ist in zehn Minuten da. Das Überarbeiten bleibt ihr Job.

Warum klingt der Text trotzdem nach KI?

Weil Klang keine Substanz ersetzt. Die Studie vom Anfang zeigt das schön. Auch bei hoher Stiltreue blieben die KI-Texte vorhersehbar: Die Perplexität, also grob die Überraschung in der Wortwahl, lag bei menschlichen Essays im Schnitt bei 29,5, bei der KI nur bei rund 15. Stiltreue und Erkennbarkeit sind zwei verschiedene Dinge, schreiben die Autoren.
Heißt für dich: Ein Text kann deine Satzlänge und deine Lieblingswörter haben und trotzdem leer sein. Beides passiert gleichzeitig. Deshalb gehst du am Schluss an drei Stellen von Hand ran:
  • Der Einstieg. Steht da eine Position oder eine Erklärung?
  • Das Beispiel. Stammt es aus deinem Alltag?
  • Die Meinung. Würdest du das im Kundengespräch auch so sagen?
Was im Text noch zählt, hab ich beim Test KI-Text menschlich klingen lassen gemessen. Kurz: eigenes Rohmaterial schlägt jedes Umformulier-Tool.

Wo speicherst du dein Stilblatt in ChatGPT und Claude?

Einmal ablegen, dann läuft es mit. Bei Claude über Stile: Unter „Create & Edit Styles“ legst du einen eigenen Stil an, per Datei, eingefügtem Text oder Beschreibung. Claude baut daraus den Stil, du bearbeitest ihn von Hand nach. Ich würde ihn am Stilblatt messen. Ob dein Tarif das enthält, nennt die Hilfeseite nicht.
In ChatGPT gehören allgemeine Vorgaben in die Custom Instructions unter „Personalization“. Sie gelten für neue Chats. Die Characteristics dort regeln nur Grobes wie Wärme, Begeisterung und Emojis. Das ist kein Schreibstil.
Meine Empfehlung: Leg pro Textsorte ein Stilblatt an, also eins für Newsletter und eins für Blog. Und steck beide in ein Projekt, nicht in die allgemeinen Einstellungen. Wie das geht, zeigt ChatGPT oder Claude einrichten.

Was kannst du heute tun?

  1. Such dir eine Textsorte aus. Nur eine.
  2. Nimm vier eigene Texte aus der Zeit, bevor du KI genutzt hast. Hast du keine, sprich zehn Minuten in dein Handy und lass es transkribieren.
  3. Lass mit dem ersten Prompt ein Stilblatt bauen. Streich jede Regel, deren Beleg nicht passt.
  4. Schreib den nächsten echten Text mit dem zweiten Prompt. Nicht zum Spaß, sondern für den Versand.
  5. Notier, was du geändert hast. Jede Änderung, die zweimal vorkommt, wird eine neue Regel.
Rechne mit einer Stunde für den ersten Durchlauf (meine Schätzung).

Mein Take

Der Schreibstil ist das kleinere Problem. Meine Meinung: Die meisten Texte klingen nicht nach KI, weil der Prompt schlecht ist. Sie klingen so, weil niemand vorher etwas zu sagen hatte.
Ein Stilblatt ist trotzdem jede Minute wert. Es spart dir das ewige Nachbessern von Floskeln und zwingt dich, mal hinzuschauen, wie du eigentlich schreibst. Aber erwarte keinen digitalen Zwilling. Die Zahlen oben geben das bei persönlichen Texten nicht her.
Nimm die KI für den Entwurf. Die Haltung bringst du mit. Wo diese Grenze insgesamt verläuft, ordne ich im Überblick KI im Online-Business ein.

Häufige Fragen

Wie viele Texte braucht die KI, um meinen Stil zu lernen?

Drei bis fünf reichen für den Start. Anthropic empfiehlt diese Menge für Beispiele. In der EMNLP-Studie brachten zwei bis zehn Proben kaum Unterschiede. Wichtiger ist, dass die Texte zur Textsorte passen und von dir stammen.

Lernt die KI meinen Stil dauerhaft?

Nicht verlässlich von selbst. Du musst Stilblatt und Proben ablegen, etwa in einem Projekt oder als Stil in Claude. Dann laufen sie bei jedem Chat dort mit.

Geht das auch, wenn ich kaum eigene Texte habe?

Ja. Sprich dein Thema als Sprachnotiz ein und lass sie transkribieren. Das klingt oft mehr nach dir als jeder polierte Text. Zwei oder drei Notizen reichen für ein erstes Stilblatt (meine Schätzung).

Funktioniert das auch auf Deutsch?

Die Prompts ja, die Technik hängt nicht an der Sprache. Die Zahlen in diesem Artikel stammen allerdings aus englischen Tests. Für deutsche Texte hab ich keine Vergleichszahl, teste es also an deinem eigenen Material.

Quellen

Weitere kostenlose Ressourcen