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Redaktionsplan erstellen: Die Variante für Selbstständige ohne Team

Redaktionsplan erstellen ohne Team: fünf Spalten, ein Rhythmus aus deiner echten Zeit, zwölf Wochen Vorlauf. So bleibst du als Selbstständiger dran.

Albert Schulz

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Vierzehn Spalten braucht kein Mensch. Wenn du allein arbeitest, heißt Redaktionsplan erstellen: fünf Spalten, ein Rhythmus, der in deinen Kalender passt, zwölf Wochen Vorlauf. Das schaffst du an einem Vormittag (meine Schätzung).
Die bekannten Vorlagen sind für Teams gebaut. HubSpot zählt schon für den einfachen Plan neun Felder auf, mit Verantwortlichem und Persona, für den ausführlichen fünf weitere. Wer soll das bei dir sein? Eben. Dein Problem ist ein anderes: Kein Chef fragt nach, wenn am Dienstag nichts erscheint. Der Plan ist der Termin, den dir sonst niemand setzt.

Was ist ein Redaktionsplan?

Ein Redaktionsplan ist eine Liste, die für jeden Beitrag festhält, worüber du schreibst, wann er erscheint und was als Nächstes daran zu tun ist. Für Selbstständige ist er vor allem ein Zeitplan: Er entscheidet vorab, was du in den nächsten Wochen veröffentlichst, damit du das nicht jeden Montag neu entscheiden musst.
Verwechsle ihn nicht mit deiner Ideenliste. Ideen haben kein Datum. Sie dürfen ewig liegen, sich stapeln, wieder rausfliegen. Im Plan steht nur, was einen Termin hat. Führ beides getrennt, sonst wird der Plan zur Müllhalde und du schaust ihn nicht mehr an.

Warum scheitern so viele Redaktionspläne?

Weil sie am Wunsch gebaut sind, nicht am Kalender. Zwei Artikel pro Woche klingen im Januar super. Dann kommt ein Kundenprojekt.
Rechnen wir mal. In der Umfrage von Orbit Media unter 1.042 Content-Marketern (2026) dauert ein Blogbeitrag im Schnitt 3 Stunden 20 Minuten, bei 1.312 Wörtern. Zwei pro Woche wären in einem Monat mit vier Wochen fast 27 Stunden. Einer pro Woche: gut 13. Davon ist noch kein Bild gebaut, nichts verteilt, kein Newsletter geschrieben.
Orbit beschreibt auch, wie Blogs sterben: Die Leute geben auf. Große Pläne, aber nie genug Zeit dafür eingeplant. Das deckt sich mit dem, was der Kalender dir gerade vorgerechnet hat. Ein Plan, der schon im Februar nicht mehr stimmt, ist schlimmer als gar keiner, denn jede verpasste Zeile sagt dir: wieder nicht geschafft.

Welche Spalten braucht dein Redaktionsplan?

Fünf. Jede weitere pflegst du nach drei Wochen nicht mehr, das ist zumindest meine Erwartung.
  1. Datum. Der Tag, an dem der Beitrag erscheint. Kein Monat, kein „irgendwann im März“.
  2. Leserfrage. Das Thema als Frage, so wie jemand sie bei Google oder ChatGPT eintippen würde. Das ersetzt die Keyword-Spalte.
  3. Zweck. Eins von drei Wörtern: finden, vertrauen, kaufen. Wird man darüber gefunden, baut es Vertrauen auf oder hilft es bei der Kaufentscheidung?
  4. Status. Idee, Entwurf, Prüfen, Live. Vier Stufen reichen.
  5. Nächster Schritt. Ein Satz, zum Beispiel „drei Kundenmails raussuchen“. Das ist die wichtigste Spalte. Sie nimmt dir das Grübeln, wenn du freitags um 15 Uhr eine Stunde frei hast.
Die Spalte „Zweck“ hat noch einen Nebeneffekt. Steht acht Mal „finden“ untereinander, siehst du sofort: Du baust Reichweite, aber nichts, das zum Angebot führt.
Und welches Tool? Eine Tabelle. Google Sheets, Excel, Notion, egal. Meine Meinung: Wer zwei Tage lang Tools vergleicht, drückt sich vorm Schreiben.

Wie findest du einen Rhythmus, den du durchhältst?

Du rechnest rückwärts: von deiner Zeit zum Takt. Nicht andersherum. Google selbst nennt in seiner Anleitung für hilfreiche Inhalte keine Frequenz. Dort steht keine Zahl, die du erfüllen musst. Dafür steht dort als Warnsignal, viel Content zu vielen verschiedenen Themen zu produzieren.
So gehst du vor:
  1. Nimm deine vollste Woche der letzten drei Monate. Nicht die Durchschnittswoche.
  2. Trag ein, wie viele Stunden dort für Inhalte übrig waren.
  3. Stopp beim nächsten Artikel die Zeit, inklusive Bild, Einpflegen, Korrektur. Die 3:20 von Orbit sind ein Durchschnitt, deine Zahl zählt.
  4. Teil das eine durch das andere und runde ab.
Ausgedachtes Beispiel: Ein Berater hat in seiner vollsten Woche zwei Stunden frei. Ein Artikel kostet ihn fünf. Macht einen Artikel in zweieinhalb Wochen, im Plan also alle drei Wochen. Klingt nach wenig? Sind 17 Artikel im Jahr. Und zwar alle 17, nicht die ersten sechs und dann Funkstille.
Läuft es ein Quartal sauber, kannst du den Takt anziehen. Das Runterstufen tut mehr weh als das Hochstufen.

Wie füllst du die ersten zwölf Wochen?

Erst die Sperren, dann die Anlässe, zuletzt die Themen. Andersherum erscheint der Artikel über dein neues Angebot schnell zwei Wochen nach dem Verkaufsstart.
  • Sperren: Urlaub, große Projekte, Feiertage. Diese Wochen streichst du gleich.
  • Anlässe: Angebotsstart, Workshop, Vortrag. Davon gehst du drei bis vier Termine zurück und setzt dort passende Artikel.
  • Themen: Der Rest kommt aus deiner Ideenliste. Die besten Einträge kommen aus echten Gesprächen. Wie du Blogthemen finden kannst, ohne vorm leeren Blatt zu sitzen, steht dort.
Zwei Regeln helfen dir beim Verteilen, beide sind meine Faustregeln. Erstens: Jeder dritte Termin bleibt ohne Thema. Dort landet, was zwischendurch passiert, eine Kundenfrage von letzter Woche, eine Änderung bei Google, ein Artikel, der länger gedauert hat.
Zweitens: Bündle. Drei Artikel zu einem Thema hintereinander schlagen drei Artikel zu drei Themen, weil du nur einmal recherchierst und sie aufeinander verlinken können. Ausgedachtes Beispiel: Eine Karriere-Coachin startet im März ein Gruppenprogramm. Sie plant ab Januar „Wie erkenne ich, dass ich den Job wechseln sollte?“, dann „Was kostet ein Karriere-Coaching?“ und zuletzt „Einzelcoaching oder Gruppe?“. Finden, vertrauen, kaufen. In genau der Reihenfolge.

Wie hält der Plan eine Woche mit Vollgas im Kundenprojekt aus?

Mit einem Reserve-Artikel und einer klaren Regel fürs Verschieben. Schreib vor dem Start einen zeitlosen Beitrag vor. Der bleibt fertig liegen. Kommt die Woche, in der nichts geht, geht er raus. Nächste ruhige Woche: neuen vorschreiben.
Fällt trotzdem ein Termin aus, rückt alles eine Zeile nach unten. Nicht doppelt nachholen. Doppelt nachholen ist der Klassiker, mit dem du dir die nächste Woche auch noch ruinierst.
Dazu kommt ein fester Blick pro Woche. Eine Viertelstunde reicht, zum Beispiel am Montag: Was erscheint als Nächstes, was ist dein nächster Schritt, wann im Kalender machst du den? Trag den Block wie einen Kundentermin ein. Sonst frisst ihn der Kunde.
KI kann dir hier Stunden abnehmen, beim Gliedern, Rohfassungen, Umformatieren. 92 Prozent der Befragten bei Orbit nutzen sie schon fürs Bloggen. Bloß: Die Gruppe mit menschlichem Lektorat schneidet dort fast doppelt so gut ab wie der Schnitt, reines KI-Lektorat am schlechtesten. Was du abgeben kannst und was nicht, steht in KI im Online-Business. Plan also ruhig mit weniger Stunden pro Artikel, wenn du es gemessen hast. Aber nicht mit null fürs Gegenlesen.

Woran merkst du, dass dein Redaktionsplan funktioniert?

An zwei Zahlen: Wie viele Termine hast du gehalten? Und bei welchen Suchanfragen tauchst du langsam auf? Nur 13,9 Prozent der Befragten berichten bei Orbit von starken Ergebnissen, weitere 18 Prozent wissen gar nicht, ob ihr Blog etwas bringt. Zu Letzteren willst du nicht gehören.
Die erste Zahl zählst du selbst nach zwölf Wochen. Unter 80 Prozent gehaltener Termine (meine Grenze) ist der Rhythmus zu hoch. Dann drossle ihn, statt dir mehr Disziplin vorzunehmen. Die zweite Zahl liefert dir die Google Search Console. Ein Artikel braucht Zeit, bis er dort sichtbar wird. Nach zwei Wochen urteilen bringt nichts.
Plan außerdem Pflege ein. Jeder vierte oder fünfte Termin darf ein bestehender Artikel sein, den du überarbeitest. Aber bitte mit Substanz: Google führt es ausdrücklich als Warnsignal, nur das Datum zu ändern, damit eine Seite frisch wirkt.

Was kannst du heute tun?

  1. Leg eine Tabelle mit den fünf Spalten an. Fünf Minuten, keine Tool-Suche.
  2. Schau in deinen Kalender der letzten drei Monate und such deine vollste Woche.
  3. Trag die Sperren und Anlässe der nächsten zwölf Wochen ein.
  4. Leg deinen Rhythmus fest, vorerst geschätzt. Beim nächsten Artikel stoppst du die Zeit.
  5. Fülle zwei von drei Terminen mit Leserfragen. Jeder bekommt einen nächsten Schritt.
  6. Trag dir für Montag eine Viertelstunde „Plan ansehen“ ein.

Mein Take

Meine Position: Ein Redaktionsplan ist kein Marketing-Werkzeug. Er ist ein Schutz gegen deinen eigenen Alltag. Die Qualität deiner Tabelle ist völlig egal. Entscheidend ist, ob du nach sechs Monaten noch reinschaust.
Deshalb halte ich von den schönen Vorlagen mit Farbcodes und Persona-Feld wenig. Sie machen Spaß am ersten Tag und Arbeit an jedem weiteren. Lieber eine hässliche Liste mit einem Artikel alle drei Wochen als ein Kunstwerk, das im März verwaist. Wer den Takt hält, darf später gern aufrüsten. Vorher nicht.

Häufige Fragen

Wie weit im Voraus sollte ich planen?

Zwölf Wochen sind meine Empfehlung. Weiter planst du an der Realität vorbei, kürzer siehst du deine Angebotsstarts nicht früh genug kommen. Plan alle vier Wochen nach, dann bleibt der Vorlauf stabil.

Brauche ich für Social Media einen eigenen Plan?

Am Anfang nein. Häng eine sechste Spalte „Verteilen“ an und notier dort, wo der Artikel noch läuft. Einen eigenen Plan brauchst du erst, wenn du dort regelmäßig Inhalte erstellst, die nicht aus dem Blog kommen.

Was mache ich, wenn mir die Themen ausgehen?

Dann fehlt dir meist die Ideenliste, nicht die Ideen. Sammle eine Woche lang jede Frage, die dir Kunden oder Interessenten stellen. Das füllt mehrere Zeilen.

Lohnt sich ein Redaktionsplan bei einem Artikel im Monat?

Ja, gerade dann. Bei großen Abständen vergisst du sonst, dass überhaupt ein Termin ansteht. Eine Tabelle mit zwölf Zeilen reicht für ein ganzes Jahr.

Quellen

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